Abstraktes verständlich gemacht

Manche Redewendungen sind so kompliziert, dass sie heute kaum noch jemand versteht. Da ich noch aus der Generation stamme, die ihr Wissen nicht nur aus Wikipedia zieht bin ich natürlich die Richtige, um hier mit Rat und Kraft zur Seite zu stehen.

Nehmen wir doch gleich die erste Redewendung:

„Ja, ja“, so hören wir, „Wasser predigen, aber Wein trinken“.

Was soll uns das sagen?

Es ist eigentlich ganz einfach: Wir sehen hier den Werbeslogan einer Weinmanufaktur. Jedes Kind weiß, dass man Wasser nur ausgießen, vergießen, verschütten, vielleicht noch trinken – aber keinesfalls predigen kann. Predigen kann nur der Herr Pfarrer am Sonntag. Und anschließend Wein trinken.

Also kommt ein Satz ohne Bedeutung, dann aber ein Gegensatz, ein Paradoxon, im nächsten Satzteil, eingeleitet von der negativen Konjunktion „aber“. Aber sollen wir bekanntermaßen aus unserem Wortschatz streichen, weil es den Sinn des Vorhergesagten negiert. Beispiel: Ich sage zu meiner Freundin „Das neue Kleid steht dir gut, aber etwas länger könnte es schon sein.“ Was bleibt hängen? Genau, die Kritik!

Wichtig ist in diesem Spruch also nur der Teil nach dem Aber, das Wein trinken. Wer könnte Interesse daran haben, dass wir viel Wein trinken? Die Frage habe ich eingangs bereits beantwortet.

Der erste Teil dieser Redewendung dient nur dazu, uns ein  gutes Gewissen zu geben. Das Wort „predigen“ löst ja sofort große Vorstellungen guter Moral aus. Unser sublinguales Gewissen sagt uns also: Ob wir Wasser trinken, ob wir Wein trinken, das ist ganz egal, der Herr Pfarrer macht das auch.

Wir sollten hier unbedingt noch bedenken, dass es auch Pfarrerinnen gibt. Die sind hier auch gemeint. Pfarreraußen weniger.

Verstanden?

Ihr habt eine Redewendung, ein Sprichtwort, das Ihr nicht versteht? Fragt mich, ich habe für alles eine fundierte Antwort!

 

 

Advertisements

2 Gedanken zu “Abstraktes verständlich gemacht

  1. Danke für diese ausführliche Erklärung. Jetzt versteh ich es auch!
    Ich möchte nicht lange um den heißen Brei schreiben, deshalb gleich meine Frage: Was ist damit gemeint mit „das Herz auf der Zunge tragen“? Das muss doch sehr unbequem sein.

    Gefällt mir

    1. Danke, Elke, für deine Frage. Ich werde in die Ethymolostik der Begriffe und die Ornitographie des Hintergrundes eintauchen und in wenigen Tagen – hoffentlich – die Antwort parat haben

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s